Mittwoch, 16. April
Nach dem Fruehstueck checken wir aus und fahren per Taxi zum Busterminal. Uns steht eine 24-stuendige Busfahrt bevor - diesmal in einem Semicama-Bus. Es gibt Gemuetlicheres, aber wir sind ja abgehaertet.
Waehrend sich Smadar und ihre Kollegin auf ihre gewohnt kuehle Art verabschieden (sie gehen weiter in Richtung Brasilien), gesellen sich Ido und Matias (halb Israeli, halb Argentinier) zu uns. Die Busfahrt ist gepraegt von Musik, lautem Geplauder und viel Gelaechter. Die Landschaft aehnelt in grossen Teilen Holland, inklusive Weiden und Kuehen.
Donnerstag, 1. Mai 2008
24 Stunden
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Aaaahs und Oooohs
Dienstag, 15. April
Um halb acht (Yossi und Itai sind schweizerisch puenktlich) treffen wir uns am grosszuegigen Fruehstuecksbuffet des Hostals Inn. Anschliessend trotten wir zu Taxi, wo wir ueber den Preis fuer die 40-minutige Fahrt verhandeln. Die anderen beiden scheinen doch etwas nervoes im Hinblick auf die Fahrt ins angeblich fuer Israelis gefaehrliche Paraguay.
Der Taxifahrer ist ein gemuetlicher Kerl, wir plaudern eine Weile. gegen neun Uhr treffen wir dann in Ciudad del Este ein, uebrigens ohne den Pass zeigen zu muessen. Dieser Teil der Stadt scheint ein riesiger Markt zu sein. Der Taxifahrer fuehrt uns zu verschiedenen Shops, wo Yossi sich auf die Suche nach einem MP3-Player macht. Ueberraschend: Die Preise fuer Elektrowaren sind vergleichsweise hoch, im Interdiscount oder Mediamarkt kaufst du mehrheitlich guenstiger ein. Vermutlich gibt es in Suedamerika vergleichsweise wenig Kunden, die sich die Elektrogeraete leisten koennen, somit hat sich ein hohes Preisniveau etabliert, denn es fehlt die verbilligend wirkende Masse.
Auch das Angebot an Fussballshirts ist enttaueschend. Im Gegensatz zu den Maerkten von Lima und La Paz finde ich hier keine Qualitaetsshirts und muss praktisch mit leeren Haenden abziehen (in meiner kleinen Einkaufstuete befindet sich einzig ein Paar Socken). Na ja, ein Versuch war es wert. Immerhin findet Yossi doch noch einen guenstigen Player und eine Speicherkarte. Die Fahrt war also nicht ganz umsonst.
Gegen halb eins kehren wir zurueck in Richtung Puerto Iguazu. In der Naehe unseres Hostals hat es einen Outlet-Laden, welcher ebenfalls Fussball-Shirts anbietet - allerdings zu horrenden Preisen. You can blow me in the shoes.
Im Hostal laden wir die Sachen ab, dann geht es weiter zur argentinischen Seite der Wasserfaelle. Nachdem wir zu dritt eine Pizza verspeist haben, fahren wir per Eisenbaehnli zu den Attraktionen. Nachdem wir auf einem Aussichtspunkt zahlreiche Wassertroepfchen erwischt haben, fahren wir per Baehnli zur naechsten Station. Am Bahnhoefli treffen wir den Rest der Gruppe, die bereits gegen Mittag hergekommen sind. Wir plaudern ein wenig und ziehen dann wieder getrennt weiter. Uns dreien bleibt nicht mehr soviel Zeit, denn der Park schliesst um sechs Uhr. Zuegig marschieren wir weiter.
Nach zahlreichen Aaahs und Ooohs gehen wir dann gegen sechs Uhr zum Ausgang zurueck, wo wir wieder auf die anderen stossen. Per Bus kehren wir ins Hostal zurueck, wo wir uns frisch machen. Zum Z Nacht gibt es Pasta a la Dor, dann vergnuegen wir uns im Hostal-Aufenthaltssaal mit Pool und Ping Pong, bis wir dann um Mitternacht auf Shays Geburtstag anstossen.
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Adios Argentina
I had to let it happen, I had to change
Couldn't stay all my life down at heel
Looking out of the window, staying out of the sun
So I chose freedom
Running around, trying everything new
But nothing impressed me at all
I never expected it to
Don't cry for me Argentina
The truth is I never left you
All through my wild days
My mad existence
I kept my promise
Don't keep your distance
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Freitag, 25. April 2008
Atemberaubend
Montag, 14. April
Gegen halb zwoelf Uhr morgens treffen wir in Puerto Iguazu ein. Sofort kuemmern sich meine organsisationsfreudigen Reisegenossen im Busterminal um Tickets fuer die Weiterreise nach Salta am Mittwoch. Am kommenden Wochenende steht die juedische Pesach-Feier an, deshalb versammeln sich zahlreiche israelische Backpacker in verschiedenen argentinischen Staedten. Als sie mich fragen, ob ich Lust habe, mit ihnen weiterzureisen und den besagten Pesach zu feiern, sage ich spontan zu. Am Mittwoch also Salta zum Dritten.
Nun schmieden wir Plaene fuer die heute Nachmittag und morgen. Wir beschliessen, heute Mittag die brasilianische Seite der Iguazu-Wasserfaelle zu besuchen, um morgen Mittag dann Argentiniens Teil des Naturspektakels zu besichtigen. Morgens wollen Yossi, Itai und ich den Markt von Ciudad del Este (Paraguay) besuchen. Yossi mit dem Ziel, einen guenstigen MP3-Player zu kaufen, Itai auf der Jagd nach einem preiswerten PS3-Angebot, ich auf der Suche nach Ersatz fuer die mir in Mendoza gestohlenen Fussball-Lyybli. Die Iguazu-Faelle liegen im Dreilaendereck Argentinien-Brasilien-Paraguay, deshalb dauert die Fahrt nach Ciudad del Este bescheidene vierzig Minuten. Die Israelis haben allerdings einige Bedenken hinsichtlich der Fahrt, da das israelische Aussenministerium aussdruecklich vor Besuchen warnt.
Nachdem wir im Hostal Inn (das eher einem Resort als einem Hostal gleicht) eingecheckt und die Zimmer bezogen haben, machen wir uns in zwei Taxis auf den Weg zur brasilianischen Seite. Schlicht und einfach atemberaubend. Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte, und die Bilder folgen, sobald ich ein guenstiges Kamera-Verbindungs- sowie Aufladekabel gefunden habe (beide wurden mit dem Rucksack entwendet).
Abends vertreiben wir die Zeit im Hostal mit Grillade, Ping-Pong und Musik, bis Yossi dann um Mitternacht Geburtstag hat und von Itai umgehend in den Swimming-Pool befoerdert wird. Anschliessend begeben wir uns in eines der Zimmer und stossen auf den Geburtstag an.
Fuer die morgige Fahrt zum Markt verabreden Yossi, Itai und ich uns fuer (gaehn) halb acht Uhr.
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Ben zona!
Sonntag, 13. April
Eigentlich hatte ich den Wecker auf 08.00 Uhr gestellt, um frueh beim Busterminal zu sein, allerdings schalte ich ihn im Halbschlaf wieder aus und wache dann erst gegen 11.00 Uhr auf. Umgehend schnappe ich mir ein Taxi in Richtung Busterminal. Zum Glueck hat es noch Plaetze im Bus, und so werde ich meine Reise heute nachmittag mit der Gruppe Israelis (die um halb neun Uhr morgens zurueckkehrten) fortsetzen.
Den Nachmittag verbringe ich weitegehend im Hostal, wo die Israelis ein Fruehstueck servieren, dessen Namen ich leider vergessen habe.
Gegen viertel nach vier Uhr verabschieden wir uns von den drei anderen Israelis und den Englaendern, dann faehrt die ganze Gruppe (7 Israelis und ich) zum Busterminal. Wir haben den Bus fast fuer uns, was fuer eine heitere Stimmung sorgt, die von Gitarrenspiel und langen, lauten Konversationen gepraegt ist. Da das Hebraeisch fuer einen Westeuropaer nicht zu verstehen ist, bringen die anderen mir die wichtigsten Woerter bei (sababa/cool, ben zona/hueregeil etc.), auch wenn das fuer eine Konversation natuerlich keineswegs ausreicht. Zum Glueck sprechen alle auch bestens Englisch.
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Eingeladen
Samstag, 12. April
Nachdem ich ordentlich ausgeschlafen habe, gehe ich erneut ins Stadtzentrum, um mir ein Paar lange Hosen zu posten. Inzwischen verfuege ich ueber neue Shorts, Hosen, Boxershorts, Socken und weitere Unerlaesslichkeiten. Den weiteren Nachmittag verbringe ich mit den Israelis, die Musik sehr schaetzen und sich auch sehr gerne mit der Gitarre beschaeftigen.
Nachdem ich in der Semi-Dekadenz des guten alten "Las Tinajas" diniert habe, kehre ich ins Hostal zurueck, wo die Gruppe Israelis aus dem oberen Stock sich fuer den Abend vorbefeiert. Ich geselle mich zu ihnen, und alsbald kommen wir ins Gespraech ueber die weitere Reise. Sie laden mich ein, morgen mit ihnen nach Iguazu zu den beruehmten Wasserfaellen zu fahren. Das klingt gut, also werde ich morgen frueh zum Busterminal fahren, in der Hoffnung, fuer den selben Bus noch ein Ticket zu bekommen.
Irgendwann am spaeteren Abend ziehen wir dann in einen riesigen Club namens "MDAM". Mit von der Partie auch Majo (Maria Jose), eine (attraktive) Argentinierin aus Buenos Aires, die ich im Verlaufe des Abends naeher kennenlerne.
Die Israelis werden einmal mehr ihrem Ruf gerecht, fleissige Partygaenger zu sein, wohingegen Majo und ich bereits gegen vier Uhr morgens kapitulieren und ins Hostal zurueckkehren.
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Dienstag, 22. April 2008
Rock n´ Roll
Freitag, 11. April
In Rosario gehe ich ins Hostal LA CASONA DE DON JAIME, wo ich erst um 12.00 Uhr einchecken kann, bis dann lege ich mich im oberen Stock des Cafes fuer ein Nickerchen hin.
Nachmittags gehe ich shoppen und besorge mir Havaianas und weitere T-Shirts. Zurueck im Hostel lerne ich einige Israelis und Englaender kennen. Mit der gemuetlichen Runde gehen wir abends in einen angesagten Rock-Club, wo wir bis in die Morgenstunden verweilen (zumal das argentinische Nachtleben ohnehin erst sehr spaet, so ca. ab zwei Uhr morgens, richtig los geht).
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Destination: Rosario
Donnerstag, 10. April
Nach einem guten Kaffe und einigen Gipfeli gehe ich zum nahegelegenen Skateshop und kaufe mir zwei T-Shirts und einen Pullover. Dann fahre ich zum Busterminal, um ein neues Ticket zu kaufen. Nach einigen Ueberlegungen entschliesse ich mich, nach Rosario gen Norden zu fahren. Schade um Bariloche, aber so muss ich weniger Kleider einkaufen, und gegen sommerliche Temperaturen habe ich ohnehin nichts einzuwenden.
Die Busfirma gibt mir freundlicherweise 30 Prozent Rabatt auf das Ticket, da ich mit der Anzeige belegen kann, warum ich gestern die Reise nicht antreten konnte.
Anschliessend fahre ich per Taxi zu einem Shopping-Center, wo ich ausser einige Paar Socken und einem Handtuch sowie einigen Hygieneartikeln keine geeignete Kleidung finde.
Im Stadtzentrum poste ich mir dann einen 60-Liter-Rucksack und einige T-Shirts. Weiteres Shopping verschiebe ich auf Rosario. Der Bus faehrt bereits um sieben, also haue ich mir vorher noch ein Steak-Sandwich mit einem Glas Wein rein, dann lasse ich mich mit meinem neuen Rucksack, dem kleinen und der Gitarre zum Busterminal fahren. Mein ipod ist zum Glueck noch vollgeladen, und so vergeht die Fahrt im Nu.
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Der infame Diebstahl
Mittwoch, 9. April
Gestern nach der Weintour hatte ich mir beim Busterminal ein Ticket nach Bariloche gekauft, eine 20-stuendige Busfahrt in die wunderbare Berg- und Seeenlandschaft Nordpatagoniens.
Der Bus faehrt heute Abend um 21.30 Uhr, bis dahin verbringe ich den Nachmittag mit kaeffelen mit Rich und Ivana, dem Besuch eines Modern Art-Museums am riesigen Plaza (dort treffe ich Yosh und Hanna, die ich in La Paz kennengelernt hatte) de Independiente sowie dem Bloggen im Internetcafe. Abends kehren Rich, Ivana und ich zum Abschiedsessen ins Restaurant von vorgestern Abend ein, wo reichlich Fleisch verzehrt wird, welchen wir mit leckeren Tropfen Rotwein herunterspuelen.
Gegen Viertel vor neun verabschieden wir uns, und ich gehe zum Hostal, um meine Sachen zu holen. Draussen an der Hostal-Tuere stelle ich meinen grossen Rucksack und die Gitarre hin, um noch schnell auf die Toilette zu huschen (zusammen mit meinem kleinen Rucksack).
Als ich keine halbe Minute spaeter zurueckkehre, ist der grosse Rucksack verschwunden bzw. gestohlen. Tja. Schade um die Souvenirs und Fuessballlyybli. Zum Glueck hatte ich meine Wertsachen wie immer bei mir und nicht im grossen Schweren.
Der Taxifahrer wartet, um mich zum Busterminal zu bringen, aber ohne warme Kleidung macht es keinen Sinn, ins kuehle Bariloche zu fahren. Zudem benoetige ich eine polizeiliche Anzeige, um bei der Versicherung anklopfen zu koennen.
Das Hostal ist vom Diebstahl schockiert, da die Hosteltuere nicht direkt an der Strasse, sondern im Bereich der hauseigenen Bar liegt und niemand interveniert hat. Man offeriert mir eine Gratis-Nacht, um mich neu zu ordnen.
Dann holen mich die Cops ab, um auf dem Posten eine Anzeige zu erstellen. Ein Hostal-Bar-Mitarbeiter begleitet mich, um etwaige sprachliche Schwierigkeiten zu beseitigen.
Die Atmosphaere auf dem Posten ist sehr geloest, und ich bin nach wie vor guter Laune. Der Verlust, vor allem der Fussballlyybli, tut schon etwas weh, aber letztlich sind es nur Kleider (und Souvenirs).
Auf dem Posten frage ich die Cops, ob sie mir eines der schwarzen T-Shirts mit dem Polizeisignet verkaufen. Der eine waere bereit, aber ein anderer interveniert, man habe ohnehin zu wenig Kleidung zur Verfuegung. Das blaue Kaeppi mit dem Button der argentinischen Flagge waere auch zu teuer.
Nach rund drei Stunden habe ich die Anzeige im Sack. Ein anderer Hostal-Mitarbeiter holt uns ab. Den restlichen Abend geselle ich mich zu anderen Backpackern aus dem Hostal, um einige Bierchen zur Brust zu nehmen. In einer Bar treffe ich auf Daniel, den Rumaenen, den ich in Salta kennengelernt hatte. Wir stossen darauf an, dass ich nichts wirklich wichtiges verloren habe, dann kehre ich ins Hostal zurueck und gehe schlafen. Morgen steht Shopping auf dem Programm, ich benoetige einen neuen grossen Rucksack und Kleider. Dass ich morgen nach Bariloche fahren werde, ist ungewiss.
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Tag der feinen Tropfen
Dienstag, 8. April
Nach dem ueblicherweise kargen argentinischen Fruehstueck (mecker mecker) schnappen Rich, eine junge Hollaenderin aus dem Hostel und ich ein Taxi und lassen uns zur rund eine Viertelstunde Autofahrt entfernt liegende Weingegend fahren. Dort angekommen mieten wir drei klapprige Mountainbikes, um die beruehmte Weingegend zu erkunden.
Ehrlich gesagt ist eine Wein-Fahrradtour im Burgund schoener, da die hiesigen Weindomaenen alle an einer Hauptstrasse liegen, auch wenn diese teilweise eine Allee ist, die durchaus an Frankreich erinnert.
Der Wein (Malbec ist sehr populaer, daneben fliessen aber auch Merlot, Syrah und ein Gemisch aus verschiedenen guten Tropfen unsere Kehlen hinab) ist koestlich, wenn auch etwas sehr jung, was zuweilen etwas Tiefgang vermissen laesst.
Nach acht Glaesern haben wir genug gesehen bzw. getrunken und kehren, diesmal per Bus, nach Mendoza zurueck.
Rich erwartet heute seine weibliche Bekanntschaft aus Frankreich und geht sie gegen zehn Uhr abends abholen, waehrend ich mit - ich kann mich leider nicht mehr an ihren Namen erinnern - in ein Steakhouse, das sich leider als das wohl Schlechteste der Stadt entpuppt. Schlechte Fleischqualitaet, schlechter Service. -5 Sterne im Guide Michelin.
Spaeter treffen wir uns mit Rich und Ivana fuer einen Umtrunk, bevor wir vergleichsweise frueh zu Bette gehen.
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Donnerstag, 17. April 2008
Freudiges Wiedersehen
Montag, 7. April
Gegen acht Uhr morgens treffen wir im Wein-Zentrum Mendoza ein. Die Fahrt im Cama-Bus war sehr komfortabel. Per Taxi lasse ich mich zum Hostal "Breakpoint" chauffieren. Ich kann zwei einchecken, das Zimmer aber erst ab 12.00 Uhr beziehen. Also begebe ich mich ins Stadtzentrum, um zu fruehstuecken und anschliessend Mails zu checken.
Gegen ein Uhr kehre ich zum Hostal zurueck und darf nun mein Bett beziehen. Nach einem Geburtstagsanruf nach Holland lege ich mich dann hin, um mich von der Busfahrt zu erholen. Den Rest des Nachmittags verbringe ich lesend in der Sonne am Pool im Garten des Hostals.
Im Hostal lerne ich Darcy, einen Kanadier kennen. Er hat seinen Job als Anwalt gekuendigt, um einige Monate reisen zu koennen, zusammen mit einer Freundin. Sie laden mich ein, mit Ihnen und drei Irinnen zu dinieren, die sie waehrend der Weintour kennengelernt haben. An der Reception hinterlasse ich eine Nachricht fuer Rich.
Das Essen ist hervorragend, die Runde auesserst gesellig, und gegen halb elf Uhr trifft Rich ein, den ich Mitte Februar in Lima kennengelernt hatte. Da Suedamerika-Reisende entweder von Nord nach Sued oder umgekehrt reisen, ist die Chance bzw. die Moeglichkeit, andere Reisende wiederzutreffen, gross. Den Rekord haelt ein britisches Paar, das ich vier Mal an verschiedenen Orten zwischen Ica und Mendoza getroffen habe.
Nach dem Essen gehe ich bald schlafen, nachdem Rich und ich Plaene fuer die morgige Weintour geschmiedet haben.
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Tant pis
Sonntag, 6. April
Als ich aufwache, stelle ich fest, dass unser Zimmer neue Bewohner erhalten hat - eine dunkelhaarige Schoenheit und deren Reisebegleiter. Wir kommen ins Gespraech. Die beiden heissen Mazi und Eli und kommen aus Israel. In Suedamerika sind zahlreiche Israelis unterwegs, denn nach zwei Jahren (Frauen) und drei Jahren (Maenner) obligatorischem Militaerdienst haben sie die Nase voll vom strammen Alltag der Landesverteidigung.
Zu schade, dass ich heute Abend abreise, denn Mazi ist auesserst sympathisch und waere fast ein Grund, hier noch etwas zu verweilen. Tant pis, ich habe bereits mit Rich abgemacht, und Tickets zurueckgeben ist in Argentinien nur mit 30 Prozent Selbstbehalt moeglich.
Nachmittags treffe ich mich mit Stefaan, um die sommerliche Waerme auf den Terrassen Córdobas zu geniessen und ein wenig ueber den Sonntags-Markt im Stadtzentrum zu schlendern.
Im Hostel lernen stefaan und ich noch zwei weitere Israelinnen kennen, or und sarit. anschliessend kehren stefaan, piotre und ich wieder in die Tinajas zurueck, um nochmal ordentlich den Ranzen vollzuschlagen. Gegen 22.00 Uhr heisst es dann Abschied nehmen. Mazi, warum kamst du nicht frueher...
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Gipsy Kings
Samstag, 5. April
Gegen drei Uhr stehe ich auf, dusche und Fruehstuecke. Dann fahre ich zum Busterminal, um mir ein Ticket fuer Sonntag Abend nach Mendoza zu besorgen. Dort werde ich Rich wiedertreffen, den Englaender, den ich in Lima kennengelernt hatte.
Das Abendprogramm besteht aus einem erneuten Besuch in Buffet-Restaurant "Las Tinajas", spaeter findet in einem nahegelegenen Saal ein Konzert mit balkanischer Zigeuner-Musik statt, anschliessend steigt eine Party. Eine der Bands (aus Buenos Aires) logiert bei uns im Hostel, und sie haben uns guenstigere Eintritte besorgt.
Die Vor-Party steigt aber im Hostel. Gegen ein Uhr gehen Piotre und ich zum Konzert, wo wir eine Riesten-Stimmung und ein volles Haus vorfinden. Zigeunermusik scheint in Córdoba aeusserst Populaer zu sein.
Der gestrige Abend sitzt mir aber noch in den Knochen, und so verlasse ich die Party bald nach der letzten Zugabe der Band, die den Konzertabend abschliesst.
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Keine Sensation
Freitag, 4. April
Heute ein gemuetlicher Ferientag im sonnigen Wetter. Nachmittags gehe ich in ein Museum, das zur Erinnerung an die waehrend der Militaerdiktatur 1976-1983 Verschwundenen erinnert. Ein beklemmendes Erlebnis, zumal hunderte Fotos zu sehen sind. Gewoehnliche Leute, die nicht einverstanden waren mit der Diktatur hirnloser Offiziere. Studenten, Arbeiter, Buerokraten - die Gesichter der Verschwundenen zeigen einen Querschnitt durch die Bevoelkerung. Sie wurden in KZs gesteckt, gefoltert, erschossen und irgendwo in einem namenlosen Massengrab verscharrt. In Europa hatten wir das vierzig Jahre frueher. Womoeglich haben einige Altnazis auch bei diesen Greueltaten mitgemischt.
Zurueck in der heilen Welt des spaetsommerlichen Córdoba. Abends verzehre ich ein Steak in einem anderen Restaurant, von guter Qualitaet. Gegen zwoelf Uhr versammeln wir (Piotre, ein Deutscher und ich) und fuer den Ausgang. Wir klappern zahlreiche Clubs ab, stossen aber nirgends auf die Sensation. Trotzdem wird es halb sieben Uhr, bis wir ins Hostel zurueckkehren.
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Guevaras Tuere leider verschlossen
Donnerstag, 3. April
Heute fahre ich mit dem Bus in einer Stunde nach Alta Gracia, dem Staedtchen, wo Che Guevara mit seiner Familie hinzog, da der spaetere Guerilla-Chef unter Asthma litt. Das Museum zu seinen Ehren hat aber leider fuer zwei Wochen geschlossen, also mache ich mich auf ins Jesuitenkloster, das heute ein Museum ist (die kleine Kapelle wird aber weiterhin fuer Gottesdienste genutzt). Hier erfahre ich einiges ueber das fruehere Leben auf dem Lande, die Kleidung der "Gauchos" (Cowboys Argentiniens), moderne Kunst (wie diese ins alte Jesuitenkloster gelangte, weiss niemand) sowie ueber den kargen Alltag der Jesuiten (wenn auch in schoener Umgebung). An sich darf man hier nicht fotografieren, aber da ich den Grund des Verbotes nicht einsehe, knipse ich trotzdem.
Zurueck im Hostel treffe ich Piotre, mit dem ich in ein nahegelegenes Steak-Restaurant gehe. Juhee, der Streik ist vorbei! Abends relaxe ich im Hostel, spiele einige Runden Pool und haenge mit Stefaan ab, der heute morgen seine Augen lasern liess - fuer 1000 Franken. Die Operation scheint erfolgreich gelaufen zu sein, auch wenn seine Augen noch wehtun.
Piotre und ich haben eine Auseinandersetzung mit der Kanadierin von der Reception, nachdem ein Mann um die siebzig mit einer Bierbuechse in der Hand eingecheckt hat. Er wirkt auf uns wie ein betrunkener Landstreicher. Spaeter wird er sich als Augenlaserungs-Patient entpuppen. So kann man sich taeuschen.
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Geschnuerte Schuhe
Mittwoch, 2. April
Wie gsait bzw. wie erwaehnt hat heute alles geschlossen, da man hierzulande der schmaechlichen Niederlage gegen die Eiserne Lady und deren Truppe gedenkt. Der freie Tag fuer alle versuesst die bittere Erinnerung.
Nach einem der spaerlichen argentinischen Fruehstuecke (aber mit hervorragendem Kaffee) verbringe ich den Nachmittag vorwiegend lesend, bis ich Ende Nachmittag ins Kino gehe, um mir den neuen Cohen-Film "No Country for Old Men" anzusehen, ein spannender und unterhaltsamer Streifen. Uebrigens sind hierzulande (und auch in Ecuador, Peru und Bolivien) saemtliche aktuell im Kino laufenden Filme auch in guter Qualitaet als DVD auf dem Schwarzmarkt erhaeltlich - und das fuer rund zwei Dollar. So flimmerten in La Paz bereits Streifen wie "Rambo IV" (eine Art Brutalo-Komoedie) und "Jumper" ueber den Hostel-Bildschirm.
Nach dem Kinobesuch schnuere ich zum ersten Mal seit Monaten meine Jogging-Schuhe, um dem Fluss nahe des Hostels entlang zu joggen. Unterwegs treffe ich auf Stefaan, der mich zum joggen motiviert hatte.
Nach dieser Kalorien-Verbrennungstour und einer ordentlichen Dusche treffe ich mich mit Stefaan und seiner Zimmergenossin, um erneut ins "Las Tinajas" einzukehren. Diesmal versuche ich, etwas weniger zu essen, was aber nur schwerlich gelingt.
Abends spiele ich einige Runden Pool mit dem Polen Piotre, bis ich dann, noch immer vollen Bauches, ins Bett plumpse.
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Donnerstag, 10. April 2008
Nun ist es also doch passiert...
gestern Abend (8. April) wurde ich um meinen grossen Rucksack erleichtert. Keine Sorge, meine Wertsachen befanden sich bei mir, als die infame Tat geschah.
Tja, ich bin sicher durch Ecuador, Peru und Bolivien gekommen, und im vermeintlich sicheren Argentinien falle ich der Kriminalitaet zum Opfer. Zum Tathergang: Ich hatte ein Ticket fuer die 20-stuendige Busfahrt nach Bariloche. Nach dem Z Nacht mit Rich (der Englaender aus Lima) und seiner franzoesischen Reisebegleiterin zog ich mich im Hostal um, nahm meine Sachen und ging zur Tuer hinaus, wo ich meinen grossen Rucksack und meine Gitarre hinstellte (auf dem Hostal-Areal und im Bereich der hauseigenen Bar), um noch rasch auf die Toilette zu gehen. In dieser Minute Toilettenbesuch haben die Saubengel meinen doch um die 25 Kilo schweren Rucksack mitgenommen. Zum Glueck haben sie die Gitarre dagelassen.
Bedauernswert ist vor allem der Verlust an Souvenirs, die ich in Ecuador, Peru und Bolivien gekauft hatte. Schade. Immerhin: Die Vollidioten werden ziemlich enttauescht gewesen sein. Mit bolivianischen oder peruanischen Fussball-Lyybli traut sich hierzulande keiner auf die Strasse, und meine dreckigen Socken und Boxer-Shorts werden wohl auch nicht fuer freudige Gesichter gesorgt haben. Hehehe. Ach ja, viel Spass beim lesen der beiden deutschsprachigen Buecher. Und die Kabel mit europaeischem Stecker koennt ihr sicher auch fuer gutes Geld verkaufen.
Eine gewisse Veraergerung ist da, aber gesamthaft gesehen ist es halb so schlimm. Zumal ich "nur" noch drei Wochen unterwegs bin und somit keinen grossen Kleiderschrank brauche. Aber die Fahrt ins kuehle Bariloche habe ich abgesagt, stattdessen gehe ich wieder nordwaerts, wo ein paar neue Shorts und neue Flip Flops zusammen mit neuen Boxershorts und einem neuen T-Shirt reichen sollten.
Die Anzeige bei der Polizei war uebrigens ganz amuesant, man war aeusserst hilfsbereit. Um ein Haar haette ich sogar noch ein T-Shirt von der Polizei Mendoza erstanden, allerdings hat ein anderer Beamter interveniert. Das blaue Kaeplli mit der argentinischen Flagge war zwar huebsch, aber 20 Dollar waren mir dann doch zu viel, zumal die Beschriftung fehlte.
Nun bin ich bereits im Besitz neuer Socken, Unterwaesche, einiger T-Shirts und den noetigsten Hygieneartikel und mache mich heute Abend auf den Weg nach Rosario. Mit allen Wertsachen, dem geretteten Buch und ein paar neuen Kleidern.
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Mittwoch, 9. April 2008
Das grosse Fressen
Dienstag, 1. April
Am Busterminal von Salta hatte ich ein (englischsprachiges) Reisebuechlein fuer Argentinien erhalten. Ich beschliesse, einer Hostal-Empfehlung dieses roten (aber keineswegs kommunistischen) Buechleins zu folgen, um mal andere Leute als Juenger des Lonely Planet zu treffen.
Voellig unnoetig hat es am Busbahnhof von Córdoba einen "Mozo", der die Tuere des Taxis oeffnet und dafuer mit Pesos belohnt werden will. Das gleiche gilt hierzulande uebrigens fuer die "Mozos", die die Koffer aus dem Bus-Gepaeckraum luepfen. "Money!", ruft er mir zu, als ich wie gewohnt meinen Rucksack in Empfang nehme und mich in Richtung Ausgang bewege. Tja, andere Laender und Sitten etc.
Klar, dass diese "Mozos" fuer einen Hungerlohn arbeiten, also zuckt der vergleichsweise reiche Schweizer mit den Schultern und schiebt einen Zwei-Pesos-Schein herueber.
Per Taxi geht´s dann also in Richtung Hostal "Morada", wo mich ein freundlicher Staff empfaengt. Bei einem Kaffee lerne ich Urska aus Slowenien kennen, die heute leider abreist.
Das Hostal hat eine grosse Dachterrasse und wirkt gemuetlich. Im Zimmer einquartiert plaudere ich mit Niels aus Holland, der schon eine Woche lang hier ist. Er empfiehlt mir, das Che Guevara-Museum zu besuchen, das in einem eine Stunde entfernt liegenden Dorf namens "Alta Gracia" beheimatet ist. Das werde ich dann morgen tun.
Dann begebe ich mich auf eine Erkundungstour ins Stadtzentrum. Die Gegend um die Plaza San Martin und die Kirche Santa Catalina ist sehr huebsch, und ich geniesse auf einer Terrasse die sommerlichen Temperaturen. Schraeg gegenueber hat eine Gruppe argentinischer Militaers einen Propaganda-Stand aufgebaut, der sich gegen das Vergessen des Falkland-Krieges richtet. Ziemlich unheimlich, diese aggressiv dreinblickenden Typen, die den englischen Union Jack zu einem Hakenkreuz umfunktioniert haben. Fuer einen Moment ueberlege ich mir, hinzugehen, um sie zu fragen, warum sie ein solches Falkland-Trauma haben - schliesslich hat dieser Krieg mitausgeloest, dass die argentinische Junta kein Jahr spaeter von der Demokratie verdraengt wurde. Aber vielleicht sind diese Typen ja Anhaenger der ehemaligen Militaerdiktatur. Und Spass verstehen sie gewiss nicht. Wie auch immer, ich bin doch etwas ueberrascht, wie praesent das Falkland-Thema ist. Bald darauf wird klar, warum: Morgen ist der Falkandkriegs-Erinnerungstag, ein nationaler Feiertag, an dem alles geschlossen ist und die Leute sich dem Trauma um den unsinnigen Krieg um einige karge Inselchen widmen. Ach ja, man verlor den Krieg gegen eine Frau, wohl eine zusaetzliche Schmach.
Genug des politischen Geschwafels. Ich schluerfe einen Kaffee in der Spaetsommerbrise, dann schlendere ich zurueck in Richtung Hostal. Hier lerne ich die beiden Diegos, einige Israelis und Stefaan, einen vlaemischen Belgier kennen, der aber wie ein Hollaender klingt.
Abends gehe ich mit Niels ins All-You-Can-Restaurant "Las Tinajas" (Benj, i ha s Rhybrugg-Restaurant gfunde!) und schlagen uns in sechs Gaengen die Raenzen voll. Meine Guete, was fuer ein Buffet! Der Streik der Bauern ist zwar noch nicht ausgestanden, aber hier ist kein Mangel an Nahrungsmitteln erkennbar. Die nahezu dekandente Ess-Orgie nimmt seinen lauf. Unsere Verdauung arbeitet auf hochtouren, als wir uns in Richtung Hostal zurueckbewegen.
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Gebogene Balken
Montag, 31. Maerz
Nachdem ich gut und lange geschlafen habe, packe ich meine Sachen und checke aus, denn heute Abend geht die Reise um 21.00 Uhr per Cama-Bus nach Córdoba weiter. Es verbleibt mir ein Monat, in dem ich noch einiges von Argentinien sehen will. Zum ersten Mal waehrend dieser Reise erstelle ich einen (unverbindlichen) Plan, wieviele Tage ich wo verbringen werde. Er sieht etwa folgendermassen aus: 1. bis 5. April Córdoba, 6. bis 9. Mendoza, 10. bis 17. Bariloche, 18. bis 20. Buenos Aires, 21. bis 23. Iguazu, 24. bis Rueckflug Buenos Aires.
Nach einem fuer argentinische Verhaeltnisse ueppigen Fruehstueck verbringe ich den Rest des Tages mit einem Geburtstagsanruf, Nachforschungen ueber Córdoba, dem Nachfuehren dieses Blogs und lesen des Maigret-Romans. Ich esse nicht allzu viel, da die Bus-Stewards Essen, Whisky und Wein servieren. Angeblich. Das kalte Z Nacht im mit ca. 45 Minuten Verspaetung abfahrenden Busses ist dann eher enttaeuschend, auf den Wein warte ich erfolglos. Der Bus ist aber tatsaechlich sehr komfortabel, auch wenn ein Mitpassagier schnarcht, dass sich die Balken biegen (sofern diese in einem Bus in irgendeiner Form vorhanden sind).
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Samstag, 5. April 2008
Ein literarischer Einwurf: Das Leben des Juan
Bei seiner Geburt - nennen wir ihn Juan - schien die Sonne, kein Woelkchen war zu sehen am Himmel ueber dem Dorf in den Huegeln Nordargentiniens. In der warmen Spaetsommer-Luft lag der wuerzige Duft von grilliertem Fleisch. Dieser verbreitete sich von der Wiese entlang des Baches her, wo Familien sich an diesem Samstagnachmittag fuer einen Grillplausch trafen. Wo auch immer man hinsah laechelten in diesen Tagen fast ausschliesslich zufriedene Gesichter in die Welt.
Juans Vater zeigte wenig Interesse an seinem Nachwuchs. Sein Begehren gegenueber Juans Mutter ging offensichtlich nicht ueber den Geschlechtsverkehr hinaus. Die Mutter aber sorgte bestens fuer Juan und seine Geschwister. So wuchs Juan zu einem kraeftigen Juengling heran, der dann aber schon bald auf eigenen Beinen stehen musste: Die Mutter verstarb nach wochenlangem Leiden an einer heimtueckischen Krankheit. Ihr Koerper wurde auf Staatskosten verbrannt.
Zu seinen Geschwistern hatte Juan inzwischen schon laenger keinen Kontakt mehr. Jeder ging seinen Weg. Er hatte aber einige Freunde gefunden, mit denen er sich taeglich traf. Als kraeftiger Jungspund erhielt er eine Beschaeftigung als Wache beim lokalen Kolonialwarenhaendler. Ganz der Vater betrieb er regen Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnerinnen, sofern dies im Rahmen der bescheidenen Dorfgroesse moeglich war.
Dann kam die Rezession. Zuerst traf es die Spielwarenfabrik, den lokalen Arbeitgeber schlechthin. In Zeiten der Rezession ueberlegten es sich betroffene Eltern des schwindenden Mittelstandes des Landes mindestens zweimal, ob sie ihren Kindern neues Spielzeug kaufen oder selbige Sachen kostenguenstig in der Ludothek ausleihen sollten.
Die Fabrik war schon seit Laengerem von finanziellen Sorgen geplagt gewesen. Nun stellte sich auch noch heraus, dass ein Grossteil der Manager-Etage in die eigene Tasche gearbeitet und das Wohl der Firma aufs Straeflichste Vernachlaessigt hatte.
Die Entlassung des CEOs kam zu spaet. Die blonde Interims-Chefin erwies sich punkto Intelligenz als eingeschraenkt, und der homosexuelle Marketingleiter widmete sich in vollkommener Unkenntnis der Betriebsprozesse lieber der Beschenkung seiner temporaeren privaten Partner.
Die ueber den Koepfen der Mitarbeiter heruntergewirtschaftete Fabrik stand nun, Auge in Auge mit der Fratze der Rezession, vor der Schliessung. Man fand zwar einen Kaeufer, der am Know-How der Produktion interessiert war. Die Hoffnung der Fabrikbelegschaft erstickte aber praktisch im Keim. Der Investor, ein Mann in grauem Anzug, dessen Scheitel stramm ueber den Glatzenansatz gekaemmt war, kuendigte bald darauf an, die Produktion nach Asien auszulagern.
Auf praktisch einen Schlag waren rund 80 Prozent der arbeitsfaehigen Dorfbewohner arbeitslos. Viele zogen verzweifelt in die 33 Kilometer entfernt gelegene Stadt mittlerer Groesse in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden. Einige emigrierten ins bessergestellte Chile, manche versuchten, bei entfernten Verwandten im reichen Europa unterzukommen.
Der Kolonialwarenhaendler des Dorfes verzeichnete alsbald einen drastischen Umsatzeinbruch. Die verbleibenden Dorbewohner kauften fortan fast ausschliesslich im Supermarkt einige Orte weiter ein, wo an den Produktregalen deutlich guenstigere Preise prangten.
Der auf die sechzig Jahre zusteuernde Kolonialwarenhaendler musste sein Lebenswerk schliessen. Als die galoppierende Inflation auch noch seine Ersparnisse aufgefressen hatte, zog er in die Hauptstadt. Dort verschaffte ihm sein Bruder eine Stelle als Hilfsabwart in einem Fussballstadion. Fussball war so etwa das Einzige, auf das die rezessionsgeplagten Argentinier partout nicht verzichten wollten.
Als der Mann zwei Jahre spaeter fuer die Beerdigung eines alten Freundes ins Dorf zurueckkehrte, erkannte er Juan nicht einmal mehr. Das lag einerseits daran, dass die Sehkraft in den letzten Monaten drastisch nachgelassen hatte. Ein gewichtiger Grund war aber auch der desolate Zustand, in dem Juan sich befand. Bis auf die Knochen abgemagert, von Geschwueren uebersaet und hinkend, quaelte dieser sich durch die Tage. "Scher dich zum Teufel", war der uebliche Satz, den man ihm hinterherrief, wenn er die Dorbewohner mit niedergeschlagenem Blick anbettelte. Als Juan sein Glueck im naechsten Dorf versuchte, war es laengst zu spaet. Niemand wollte hier eine jaemmerliche Gestalt wie ihn haben. Man jagte ihn hinaus, worauf er in seine Heimat zurueckkehrte.
Ein Schweizer Touristenpaar, beide um die 25 Jahre alt, hatten sich in der Hauptstadt ein Auto gemietet, um das riesige Land unabhaengig von Busfahrplaenen zu bereisen. An diesem Nachmittag wollten sie laendliche Gegenden erkunden. Es war gegen 15.15 Uhr, als Juans Kopf mit einem lauten, dumpfen Knall an der Stossstange des Offroaders zerplatzte. Er musste nicht leiden und war auf einen Schlag tot. Das erschrockene Paar riss die Tueren auf und sprang aus dem Auto. Waehrend die Frau vor Entsetzen einen Schrei von sich gab, verwandelte sich das Erschrecken des Mannes in Aergernis. "Verdammter Scheisskoeter!", rief er aus, "ueberall streunen sie herum. Warum kastriert niemand diese Viecher? Sieh dir das erbaermliche Tier an. Das ist doch kein Leben!" Sie nickte stumm und wandte den Kopf vom grausigen Anblick ab. "Setz dich wieder ins Auto, ich mach das", meinte er bestimmt. Waehrend sie ins Auto stieg, suchte er sich einen stabilen, dicken Ast und schob Juans Koerper mit angewidertem Blick in den Strassengraben. Anschliessend schuettete er Mineralwasser ueber die Motorhaube und die Stossstange. Mit Toilettenpapier wischte er die Blutspuren weg. Dann fuhren sie weiter.
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